Ein guter Start ins Kinderleben
Kinder haben ein Recht auf gesundes Aufwachsen und auf Schutz vor Gewalt oder Missbrauch. Dieses Recht zu verwirklichen, ist nicht nur eine Aufgabe der Eltern, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Besonders die Jugendämter, Beratungsstellen, Kindergärten, Schulen, Hebammen, Geburtskliniken und niedergelassene Kinderärzte haben hier eine hervorgehobene Rolle. Damit Kinder vor Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch geschützt werden, reichen einfache Instrumente nicht aus. Wir brauchen vielfältige Ansätze und doppelte Netze, um Kinder dauerhaft und wirksam zu schützen. Vor diesem Hintergrund hat Rheinland-Pfalz gemeinsam mit den Ländern Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern ein Projekt zur frühen Förderung elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompetenzen in prekären Lebenslagen und Risikokonstellationen entwickelt. Das Projekt hat in Rheinland-Pfalz zunächst in Ludwigshafen und Trier begonnen.
Welche Ziele verfolgt das Projekt „Ein guter Start ins Kinderleben“?
Mit dem Modellprojekt werden vier Ziele verfolgt:
- Frühzeitiges Erkennen von riskanten Lebensverläufen durch eine verbesserte Diagnostik Ein Screeninginstrument für Geburtskliniken soll entwickelt und erprobt werden, um frühzeitig und systematisch Risikofaktoren erkennen zu können. So sollen Familien präventiv unterstützt und gefördert werden.
- Aufbau von regionalen und niedrigschwelligen Beratungs-, Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern Dort, wo es notwendig ist, sollen Familien mit Kleinkindern von Anfang an gezielt in ihren Erziehungs- und Versorgungskompetenzen gestärkt werden.
- Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Gesundheitshilfe Einrichtungen der Jugendhilfe (Jugendamt, Beratungsstellen, Familienbildungsstätten, Sozialpädiatrische Zentren) und Gesundheitshilfe (Hebammen, Ärzte und Ärztinnen, Geburts- und Kinderkliniken) sollen besser zusammenarbeiten, um Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote für junge Mütter, Väter und Eltern zu verbessern. Diese Kooperation soll durch die Einrichtung von lokalen Runden Tischen initiiert werden. Geplant sind auch berufsgruppen- und fachübergreifende Fortbildungen.
- Erstellung einer praxisnahen sozial- und datenschutzrechtlichen Analyse Die Analyse soll Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern, Hebammen aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Jugendämtern und Beratungsstellen Handlungssicherheit im Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten geben.
Wie soll das Projekt „Ein Guter Start ins Kinderleben“ praktisch werden?
Das Projekt „Ein guter Start ins Kinderleben“ ist kein Modellprojekt im klassischen Sinn, das nur an ausgewählten Standorten erprobt wird und dessen Ergebnisse erst nach der Modellphase einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bereits während der Projektphase werden die Erkenntnisse des Modellprojektes anderen Kommunen und Geburtskliniken weitergegeben. Auch Erfahrungen aus anderen rheinland-pfälzischen Kommunen fließen in das Modellprojekt ein. Bei dem Projekt geht es nicht um die Entwicklung eines Parallelsystems, sondern um eine Integration in die Strukturen der Gesundheits- und Jugendhilfe.
Mit der Projektdurchführung sind Prof. Dr. Jörg Fegert und PD Dr. Ute Ziegenhain der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums in Ulm beauftragt, beide ausgewiesene Experten für den Bereich der frühkindlichen Förderung.
