Familienbewusste Arbeitswelt

Die rheinland-pfälzische Landesregierung setzt sich seit vielen Jahren für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Sie möchte, dass ein Klima entsteht, in dem eine familienbewusste Arbeitswelt selbstverständlich ist.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für alle ein Gewinn

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Gründe dafür sind der demografische Wandel, der Fachkräftebedarf, eine stärkere Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben und eine lebensphasenorientierte Personalpolitik.

In der Familie lernen Kinder und Jugendliche die Fähigkeiten, ohne die weder Gesellschaft noch Wirtschaft auskommen: Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, Motivation, Empathie, Solidarität, Flexibilität, Organisationstalent sowie eigene Fähigkeiten und die anderer in ein für alle gewinnbringendes Verhältnis zu setzen. All das sind Kernkompetenzen, die wir uns für unsere Gesellschaft wünschen. Sie bereichern auch die Unternehmenskultur moderner Wirtschaftssysteme und beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes oder Unternehmens. Aber Familien brauchen Zeit! Familiäre Bedürfnisse geraten nicht selten in Konflikt mit den Erwartungen an Mobilität, Flexibilität und Verfügbarkeit im Arbeitsleben. Zwischen den familiären Bedürfnissen der Beschäftigten und unternehmerischen Interessen müssen Brücken entstehen.

Familienbewusste Maßnahmen rechnen sich

Untersuchungen belegen, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber davon profitieren, wenn sie familienbewusste Arbeitsbedingungen schaffen. Zufriedenheit und Motivation, rückläufige Ausfall- und Fehlzeiten ihrer Beschäftigten und die Senkung der Überbrückungszeiten nach der Geburt eines Kindes, sind beispielsweise Vorteile einer vorausschauenden und familienbewussten Unternehmenspolitik. Im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben familienbewusste Unternehmen die Nase vorn. Familienfreundliche Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten rangieren in der Beliebtheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Abstand vor „harten“ Vergünstigungen wie Dienstwagen oder Mobiltelefonen auf Firmenkosten.

Familie und Beruf muss Chefsache sein

Führungskräfte übernehmen eine Vorbildfunktion, wenn es darum geht, eine familienbewusste Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Unmittelbare Vorgesetzte sind Mittler zwischen betrieblichen Rahmenbedingungen und Anforderungen sowie familiären Aufgaben ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Umgangsstil von Führungskräften mit familiären Verpflichtungen und Belastungen ihrer Beschäftigten ist entscheidend dafür, ob in dem Unternehmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt.

Familienfreundlichkeit ist vielfältig gestaltbar

In vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ist eine familienbewusste Arbeitsorganisation gelebte Praxis, ohne dass es den Beteiligten immer bewusst ist. Da sind die Entscheidungswege kurz und Vorgesetzte haben in der Regel ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In zunehmend mehr Unternehmen gehören Teambesprechungen zum Alltag und betriebsinterne Schautafeln oder ein Intranet informieren über familienfreundliche Angebote oder haushaltsnahe Dienstleistungen. Viele Unternehmen schließen sich zusammen und informieren ihre Belegschaften rund um das Thema Pflege oder Kinderbetreuung. Neu ist der seit Ende Juni 2008 öffentlich zugängliche berufundfamilie-Index, mit dessen Hilfe Unternehmen die Stärken und Entwicklungspotentiale der eigenen Personalpolitik in Bezug auf Familienbewusstsein überprüfen können.  

Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen nicht teuer sein. Einige Beispiele aus der Praxis belegen das:

  • Flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitkonten helfen Eltern, ihren Beruf an die Öffnungszeiten von Schulen und Kitas anzupassen und die Pflege von Angehörigen besser zu organisieren.
  • Telearbeitsplätze vermeiden lange Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz und ermöglicht effektives Arbeiten von zu Hause. 
  • Eine familienbewusste Urlaubsplanung lässt sich im Betrieb oft leichter realisieren als gedacht. 
  • Kinderbetreuung und Pflege sind für Unternehmen, die vorausschauend planen, ein wichtiges Thema. Große Unternehmen bieten firmeneigene Kindertagesstättenplätze an oder es stehen Kontingente in nahe gelegenen Betreuungseinrichtungen zur Verfügung. Informationen über Kinderbetreuungsmöglichkeiten – vor allem während der Ferienzeiten, oder im Krankheitsfalle von Kindern – sind für Beschäftigte mit kleinen oder schulpflichtigen Kindern eine große Hilfe.  
  • Pflege geht alle an. Pflegebedürftige und Pflegende brauchen Solidarität: Sie brauchen die Unterstützung ihrer Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Die Reform der Pflegeversicherung und das neue Pflegezeitgesetz verbessern die Situation der Pflegebedürftigen und ihrer berufstätigen Angehörigen deutlich. Auch hier gilt: Unternehmen, die vorausschauend planen und gute Fachkräfte dauerhaft ans Unternehmen binden wollen, unterstützen Beschäftigte individuellen lösungsorientierten Regelungen. 

Maßnahmen der Landesregierung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  • Förderung des audit berufundfamilie

Rheinland-Pfalz fördert das audit berufundfamilie der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Das audit überprüft Unternehmen auf ihre Familienfreundlichkeit, erstellt Verbesserungsvorschläge und Entwicklungsmöglichkeiten und vergibt nach drei Jahren ein Grundzertifikat, das den Unternehmen bescheinigt, familienbewusst zu sein. Mehr Informationen zum audit und zur Förderung durch das Land finden Sie hier.

  • Die Regionalkonferenzen – Ein Erfolgsmodell mit Zukunft

Der große Erfolg der Regionalkonferenzen (300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Wirtschaft) im Jahr 2007 hat gezeigt, dass sich Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf interessieren und sich für mehr Familienfreundlichkeit engagieren möchten. Im Vordergrund standen der Austausch der Firmen untereinander und die Präsentation von guten Beispielen.

Die Ergebnisse der Regionalkonferenzen fasst Band 1 der Dokumentation zusammen. Band 2 enthält die erarbeiteten Anregungen.

Für dieses Jahr sind vier weitere Regionalkonferenzen geplant.

Die Landesregierung hat eine Arbeitsgruppe gegründet, in der das Ministerium für Wirtschaft, die Arbeitsgemeinschaft der Handwerks-, Industrie- und Handelskammern sowie die Wirtschaftsjunioren und das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen zusammenarbeiten. Noch im Sommer dieses Jahres soll ein Handlungskatalog die Umsetzung der Ergebnisse der Regionalkonferenzen der Öffentlichkeit vorstellen. Außerdem findet im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen regelmäßig ein Runder Tisch statt, an dem viele Akteure für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusammenkommen, um sich auszutauschen und die Vernetzung untereinander zu fördern. Neben den bereits genannten Teilnehmern sind die Servicestelle für Lokale Bündnisse für Familien in Rheinland-Pfalz, die berufundfamilie gGmbH der Gemeinnützigen Hertiestiftung und die Beratungsstelle ZeitZeichen vertreten.

  • Hilfen zur Kinderbetreuung und Pflege

Die Internetplattform http://www.kita.rlp.de/ des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur dient als Fortbildungsmedium für Kindertagesstätten und als Informationsmedium für Eltern. Sie informiert alle Interessierten über aktuelle Entwicklungen und dokumentiert schrittweise innovative Beispiele aus der Praxis und stellt sie als Anregung für andere bereit. Eltern können sich über Kinderbetreuungsangebote in ihrer Umgebung zu informieren.

Das Programm "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" umfasst unter anderem folgende Punkte:

  • Ausbau der Betreuungsangebote für unter Dreijährige 
  • Öffnung des Kindergartens für Zweijährige und ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab 2010 
  • Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist ein Schwerpunkt der rheinland-pfälzischen Beratungs- und Koordinierungsstellen. Die BeKo besitzen umfangreiche Kenntnisse über die regionalen Angebots- und Nutzerstrukturen und die Nachfrage und Bedarfssituation älterer oder pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen. Ein umfassendes Informationsangebot zur Pflege finden Sie hier.

Gemeinsam für ein familien- und kinderfreundliches Rheinland-Pfalz! Gemeinsam für eine menschenwürdige Pflege!

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachhaltig in unserem Land zu etablieren, brauchen wir ein breites Bündnis der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte! Seien Sie mit dabei, wenn es darum geht, gemeinsam dieses Ziel zu verwirklichen.

Jeder noch so kleine Schritt zählt!